Wahre Erfindungen

von Agnes Böttcher

Lange schon bin ich immer wieder beeindruckt, wie der Schauspieler Matthias Brandt durch sein Spiel die unterschiedlichsten Menschen überzeugend darstellen und dem Zuschauer nahebringen kann.

Von Versen benommen

 

Meine erste Begegnung mit Wilhelm Lehmann war im Sommer 1946. Ich war gerade als Siebzehnjähriger aus Krieg und Kriegsgefangenschaft ins großväterliche Haus nach Eckernförde zurückgekehrt. Meine Schwester hatte mir ein schmales Bändchen Gedichte gebracht: Wilhelm Lehmann „Entzückter Staub“. Dieser merkwürdige Titel „Entzückter Staub“? Schweiß, Blut und Tränen, ja, und Dreck und Staub, davon hatte ich genug gehabt. Nun aber sollte der Staub auch noch entzücken? Doch die Verse zogen mich in ihren Bann, fast wider Willen. Solche Töne hatte ich noch nie gehört, nichts von Labkraut, Spindelbaum, Schmele, nichts von einem „grauen Müller“ oder einem „Würger mit dem roten Rücken“.  Das alles klang faszinierend fremdartig. Ich stieß in dem Gedicht „Auf sommerlichem Friedhof“ auf Verse, die einer Erweckung gleichkamen: „Sirene heult, Geschützmaul bellt/ Sie morden sich; es ist die Welt.“ Das saß, traf wie ein Keulenhieb. Bitterer, knapper, konnte die Ablehnung von Krieg und Geschichte nicht ausfallen. Und im äußersten Gegensatz dazu die Welt der Fliegenschnäpper, des Rosendufts, der Stille, offenbar die Welt des Dichters Lehmann. Seit jenem Tag beschäftige ich mich mit Wilhelm Lehmann und seiner Dichtung, zumal seiner Lyrik, und bin, heute ein alter Mann, immer noch nicht damit fertig. Im Unterricht habe ich Dr. Lehmann nicht mehr erlebt, aber ich sehe ihn noch vor mir, auf dem Schulhof, auf dem Flur vor dem Lehrerzimmer, grazil, beschwingten Schrittes, freundlich, ein Herr mit einer besonderen Aura – ich beobachtete ihn aus scheuer Distanz. Unsere Deutschlehrerin, ehemals seine Schülerin, erzählte von ihm. Unser Lateinlehrer ging mit Lehmann in Borby am Fördeufer spazieren. Sie unterhielten sich wohl von Dingen, die fernab dem Schulbetrieb lagen, von Kunst und Literatur. Davon hörte ich, das imponierte mir.
1947 wurde Lehmann aus dem Schuldienst verabschiedet. Ich hatte die Ehre und war mächtig stolz darauf, sein Gedicht „An einen früheren Dichter“ vorzutragen. Es enthält die überaus herrliche Strophe „Weinrote Amaryllis schmiegt/ An mein sich wie dein Gesicht,/Der Schmerzensleib der Erde biegt/ Sich aufwärts im Gedicht.“ Solche Verse vermögen sich empfänglichen Gemütern tief ins Herz zu senken, sie ein Leben lang zu wärmen und zu nähren. In mir summen sie heute noch, fast sechzig Jahre danach, wie an jenem fernen Tage. Nach der Veranstaltung kam Wilhelm Lehmann auf mich zu, reichte mir freundlich die Hand und bedankte sich: Ich hätte das Gedicht sehr schön vorgetragen. Ich empfand solches Lob wie einen Ritterschlag.
Im Studium bin ich der Dichtung Lehmanns erst wieder in Marburg näher gerückt. Dort hielt der Germanist Friedrich Sengle eine Vorlesung über moderne deutsche Lyrik. Darin fand auch Wilhelm Lehmann einen gebührenden Platz. Sengle würdigte das Gedicht „Holunder“. Die Vorlesung brachte mich auf den Gedanken, mich selber schreibend an Lehmanns Lyrik zu versuchen. In den Semesterferien 1955 besuchte ich Wilhelm Lehmann in seiner damaligen Wohnung in Klein-Wittensee.

Wilhelm Lehmann: Entzückter Staub • Verlag Lambert Schneider • 42 Seiten

von Reiner Wittmann

 

 

 

Christopher Clark "Die Schlafwandler"

von Georg Völker

Der britische Premier Lloyd George hatte zwar verlauten lassen, dass die fünf europäischen Großmächte Deutschland( D.), Österreich-Ungarn(Ö.-U.), Großbritannien(GB.), Russland (R.) und Frankreich (F.) in den 1. Weltkrieg „ hineingeschlittert“ sind, was ihn jedoch nicht daran hindert, dem § 231 des Versailler Friedensvertrages, dem Kriegsschuldparagrafen, zuzustimmen, der besagt, dass Deutschland als „Urheber des Krieges“ folglich „für alle Schäden“ zu haften hat.

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